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Mikangou: Wie kam es dazu, dass Sie in Afrika leben?
Astrid Toda: Ich bin eigentlich durch Zufall nach Afrika gekommen. Früher wollte ich immer wieder nach Rußland zurückgehen. Ich war 1974 in der Sowjetunion. Ich war dort sehr gerne und ich hatte immer den Traum, wieder zurückzugehen. Aber dann kam ich durch Zufall durch den Beruf meines Mannes nach Nigeria und diese Erfahrung das erste Mal auf afrikanischem Boden hat mir so viele neue Dinge gegeben, dass ich also wirklich neugierig geworden bin. Zugleich, da ich ja vorher 20 Jahre in Japan gelebt habe, habe ich festgestellt, dass für mich viele Dinge nicht so fremd waren wie für manche anderen Europäer.
M: In Japan?
T: Nein, in Afrika und zwar in Nigeria, in Benin. Irgendwann habe ich dann gesagt, ich möchte gar nicht mehr zurück.
M: Das heißt, im Gegensatz zu Japan haben Sie sich in Afrika wohler gefühlt?
T: Vielleicht nicht unbedingt wohler. Es liegt wahrscheinlich am Beruf meines Mannes, dass mir viele Dinge etwas schwer gefallen sind. Dazu muss ich zurückgehen bis in meine Kindheit. Ich bin die Tochter eines Forstdirektors. Mein Vater hat immer sehr zur Völkerverständigung beigetragen und ich bin eigentlich groß geworden ohne Rassismus mit vielen Brüdern und Schwestern vieler Nationen. Ich habe dann festgestellt, dass in der Diplomatie doch sehr große Unterschiede gemacht werden und dass man Leute nach ihrer Position beurteilt werden, aber nicht nach ihrem Charakter. Ich verstehe, dass man eben den Dienst je nach Position mit jemanden verhandeln muss. Aber es gibt ja auch einen Privatbereich. Wenn hier keine Unterschiede mehr gemacht werden, dann empfinde ich das als persönliches Problem. Und von daher war ich immer etwas unzufrieden im diplomatischen Leben. Es hat mich nicht ausfüllen können. Ich habe erkannt, dass viele Leute die Möglichkeit hatten, Dinge zu tun, was aber einfach aus Bequemlichkeit oder Desinteresse heraus nicht getan wurde. Man macht dann lieber Dinge wie Bridge- oder Golfspielen. Es werden Teeparties veranstaltet. Und manchmal gab es eben diese etwas übereifrigen Erzählungen wie z. B.: "Wo hast du deine Tasche oder Kleidung gekauft? Wo warst Du in Paris in der und der Ecke, als wäre mir Paris so vertraut, als würde ich dort leben und eine andere hat erzählt, sie hat ihre Jacke in London gekauft." Dabei habe ich manchmal gedacht, irgendwie passe ich selbst nicht in diese Welt. Ich konnte damit nicht viel anfangen. Ich habe dann einmal aus Scherz gesagt; "Ich habe mir meine Schuhe in einem ganz internationalen Geschäft gekauft. Ich glaube das Geschäft hieß Aldi." Damit habe so ein bischen die Leute veralbert. Das ist dann natürlich nicht so gut angekommen. Aber dann kam meine Chance, als ich dann in Afrika war, einfach Abstand von all diesen unwichtigen Dingen zu nehmen. Meine Kinder waren erwachsen und ich habe dann halt das neue Leben im Sinne meines Vaters angefangen und festgestellt, wie ich für mich auch selbst dieses Leben zufriedener gestalten kann.
M: War es nicht schwierig, mit der Entwicklungshilfe Tätigkeit ganz alleine in Afrika etwas Neues zu beginnen?
T: Ja schon, gerade am Anfang hat man doch viel Existenzangst, gerade für jemand, der Luxus gewohnt ist. Ich muss leider zugeben, dass ich ziemlich verwöhnt war. Man kommt dann in ein anderes Land, wo man im Gegensatz dazu einfach leben muss. Die Realität sieht doch ganz anders aus. Zu der Frage: "Wie lebe ich? Wie verdiene ich Geld? Wie bekomme ich Geld auch für die Projekte? Woher bekomme ich Spenden?" Ich hatte ja praktisch keine Erfahrungen. Es musste ja ein ganzes System aufgebaut werden. Finanzberichte mussten erstellt werden. Ich hatte eine Möglichkeit, einen Gegenpol zu den großen Organisationen zu schaffen. Ich habe mich auch informiert, warum manche Spender unzufrieden sind. Z. B. bei der Zusammenarbeit mit den großen Organisationen. Genau dort konnte ich dann ansetzen und sagen, was ich verändern wollte und was anders gemacht werden muss. Damit habe ich versucht, den größeren Organisationen einen Weg zu zeigen, wie manche Dinge besser gemacht werden können. Meistens betrifft dies die einfachen Leute, die eben nicht so reich sind. Gerade sie sind es, die das Geld nicht im Überfluss haben. Man muss einen Weg finden, damit die Leute Vertrauen haben.
M: Wie sind Ihre Erfahrungen hier in Deutschland. Sie kommen manchmal nach Deutschland, um Vorträge zu halten. Von welche Leuten oder von welcher Zielgruppe erhalten Sie mehr Spenden?
T: Also einmal habe ich Kontakt zu vielen jungen Leute. Wenn ich in Deutschland bin, berichte ich über die afrikanische Geschichte, wie z. B. die Zusammenhänge zwischen Afrika und Europa. Ich habe festgestellt, dass in den deutschen Schulen die Jugendlichen sehr aufgeschlossen sind und zuhören. Dabei möchte ich keine Schuldgefühle provozieren. Man muss man sich wirklich mit der Geschichte Afrikas genau auskennen. Junge Leute sind sehr empfänglich dafür. Es gibt viele Schulen, die sich dafür interessieren. Zusätzlich finden sich viele Frauen, die mit ihrem Leben vielleicht nicht ganz so zufrieden sind, aber nicht den Mut haben, etwas zu tun, was ihnen wirklich Spass macht und was ihnen sinnvoll erscheint. Ich habe das Gefühl, dass viele Frauen in mir auch so etwas wie eine Symbolfigur sehen und die durch mich den Mut finden, etwas in ihrem Leben zu ändern. Ich versuche den Leuten zu erklären, dass nicht jeder unbedingt in Afrika seine Hilfe anbieten muss. Es gibt auf der ganzen Welt so viele Dinge zu tun und die Gesamtheit macht das Bild rund.
M: Wie wurden Ihre Projekte in Afrika aufgenommen? Wie haben z. B. die Behörden Ihre Arbeit akzeptiert? Hatten Sie keine Schwierigkeiten?
T: Nein, ich hatte es etwas leichter, weil ich einen anderen Weg als die anderen Organisationen eingeschlagen habe. Ich habe an der Basis angefangen. Ich habe mich mit Leuten aus den Dörfern getroffen, die schon mit dem Aufbau einer Schule begonnen hatten, finanzielle Mängel das Projekt aber gestoppt haben. Und wir haben eigentlich mit den Dorfgemeinden zusammen gebaut. Die Verbindung zur Regierung haben dann die Dorfgemeinden hergestellt. Beim Bau der ersten Schule hat die Regierung von Benin gedacht, das es sich um Eigeninitiativen der Dorfbewohner handelt. Zu diesem Zeitpunkt wussten sie von meiner Existenz noch nichts. Das kam dann mit der Zeit, als ich begann, verschiedene Wünsche zu äußern wie z. B. Lehrer einzustellen. Die Regierung hat mich dann gefragt hat, wer sind Sie und war machen Sie hier? Von Seiten der Regierung habe ich eigentlich immer Hilfe bekommen. Angefangen von der Botschaft Benin in Deutschland und auch in Benin selber. Ich hatte keine Probleme, Visa zu erhalten oder dergleichen. Wir haben uns so geeinigt, dass wir der Regierung vorgeschlagen haben, o.k., wir haben jetzt Schulbänke für so und so viel Klassen. Für die fehlenden Dinge kommt die Regierung auf. Wir haben auch schon ein Gebäude zusammen geplant. Meine Gruppe ein Gebäude, die Regierung .... Das läuft sehr sehr gut. Ich habe das Gefühl, dass die Regierung eigentlich froh darüber war, dass sie sich auch des Wertes für Privatinitiativen bewusst war und das eben durch die Privatinitiativen keine Forderungen an die Regierung gestellt werden, wie z. B. manche Organisationen, die z. B. Diplomatenstatus einfordern und Rechte für sich selbst, was ja bei mir nicht der Fall ist.
M: Um was für Projekte handelt es sich genau in Afrika? Ich weiß, dass Sie für den Bau von Schulen verantwortlich sind.
T: Also, ich befasse mich wirklich nur mit dem Bau von Schulen und nicht mit dem Inhalt, denn ich glaube, dass die Leute in Afrika selber am besten wissen, was zu ihrer Kultur passt, was sie vom Aufbau von Schulen erwarten. Wir wollen hier eben keine neue Kolonialisierung anstreben. D. h., ich sammle erst einmal Spenden in Deutschland. Das Material beziehe ich ausschließlich aus Afrika. Den Transport organisiere ich zum Teil selbst oder beaufsichtige ihn. Ich bin dann beim Bau vor Ort und versuche, etwas mitzuhelfen. Meine Mitarbeiter sind eigentlich so perfekt, dass ich es denen überlassen kann. Ich sitze halt dann da und helfe den Dorfbewohnern, die mir ja ihre Arbeitskraft kostenlos zur Verfügung stellen als eine Art Spendenanteil und versuche, sie dazu zu motivieren, wie Wasser zu ziehen oder Sand zu tragen oder eben Kleinigkeiten, Handlangertätigkeiten, die ich dann mit verrichte.
M: Aber wie sind Sie dazu gekommen, diese Projekte in Benin, die sich weit entfernt von der Hauptstadt und Städten befinden, durchzuführen? Wie haben Sie Kontakt aufgenommen? Wie sind Sie nach Benin gekommen?
T: Also die erste Schule, die ich in Nigeria gebaut habe, war im Auftrag von Leuten aus Benin. Die Gattin des holländischen Botschafters, Frau Kali Quindt, hat mich gebeten, Ihr Projekt weiterzuführen, da sie das Land verlassen musste. Ihre Aufenthaltsgenehmigung war abgelaufen. Sie hat mich gebeten, das Projekt zu beaufsichtigen. Und so ist dann meine erste Schule entstanden. Obwohl Nigeria wirklich eins von meines sehr geliebten Ländern war, wurde das Arbeiten durch die politische Situation (Putsch von Sony Abaja) sehr erschwerter als später in Benin. Wenn man schon Bestechungsgelder bezahlen muss, um überhaupt arbeiten zu können, bringt es wenig Sinn, weiter zu machen. Weil dies die erste Schule für Leute aus Benin war, war es daher naheliegend, dass ich ein bischen weiterrutsche, ist ja Nachbarland. Bei einem Spaziergang habe ich dann ein geeignetes Dorf gefunden, die zweite Schule aufzubauen. Danach ging es dann stückweise vorwärts, dazu kam die positive Unterstützung von der Regierung, die mir versichert hat, den Erhalt der Schule zu gewährleisten.
M: Wie lange machen Sie diese Arbeit schon als Entwicklungshelferin?
T: Das ist jetzt mein 12. Jahr.
M_ Und war das konkret erst ein oder zwei Jahre in Nigeria?
T: Erst einmal 2 Jahre in Nigeria. Dann war ich kurze Zeit erst einmal etwas weg von Afrika und hier in Berlin, um etwas nachzudenken und Spenden zu sammeln für das zweite Projekt und jetzt wieder seit 1996. Also 7 ½ Jahre fest in Benin.
M: Kommen Sie nur nach Deutschland, um Spenden zu sammeln und Informationen zu geben oder haben Sie auch Kontakte zu anderen Ländern?
T: Ich habe in verschiedenen Ländern versucht, ich habe auch ganz stark in USA versucht, aber ich habe festgestellt, dass es dort sehr viele Versprechungen gibt, die eigentlich keinen Inhalt haben. Ich muss zugeben, ich habe bis heute aus den USA keine Hilfen bekommen, keine Spenden bekommen. Dagegen Deutschland ist dort sehr aktiv. Die Bevölkerung ist bereiter und offener für das, was in Afrika passiert ich habe in Frankreich auch schon versucht und habe ich eine Gruppen, z. B. in Südfrankreich, in Toulouse, die deutsche Gruppe die bei Airbus arbeitet, die mich seit 5 oder 6 Jahren unterstützt. Deutschland ist das Land, wo es sich nach meinen Erfahrungen am leichtesten Spenden sammeln lässt, wenn man wirklich ernsthaft dahinter steht und man auch nachweisen kann, dass die Gelder nicht in irgendwelche privaten Kanälen fließen.
M: Das kann sein, weil Sie aus Deutschland kommen und Sie mit der deutschen Kultur besser vertraut sind. Ich kenne eine Frau aus Uganda, die hier nach Deutschland kam, um ein Entwicklungsprojekt zu präsentieren. Sie hat nicht soviel Spenden in Deutschland erhalten können. Danach hatte Sie Kontakte mit USA geknüpft und soviel ich weiß, bekommt sie dort sehr viel Unterstützung. Spielt eine Sprache oder Mentalitätssache nicht eine Rolle bei einer sollchen Arbeit ?
T: Sprachprobleme habe ich eigentlich keine, weil ich doch sehr gut englisch spreche, Mentalitätsmäßig kann schon sein. Ich verlange von meinen Spendern nicht nur Geld, sondern auch den Geist meiner Spender. Das ist glaube ich ein bischen zu anspruchsvoll für die Amerikaner. Es ist nicht so, dass ich sage, mir ist gleichgültig, welches Geld ich erhalte. Lieber verzichte ich auch das Geld, wenn es gedanklich doch sehr kolonialistisch oder rassistisch erscheint, demjenigen sage ich dann, bitte verstehe es nicht falsch, aber bei mir ist es nicht richtig angelegt. Und das sind natürlich gewisse Dinge, die in den USA nicht so gut ankommen. Und vielleicht ist da der Deutsche ein bischen toleranter, ich weiß es nicht. Jedenfalls ich habe es nicht geschafft. Aber ich habe zur Zeit auch neue Gruppierungen in Japan. Wo es ja auch anfängt, wo es seine Wellen schlägt. Aber es ist jetzt neu seit 3 Jahren.
M: Und wie läuft das in Japan?. Klar, Ihr Mann ist Japaner. Ist er Diplomat? Sie haben sogar 3 Kinder mit ihm. Wie kommen Sie zurecht mit den Japanern? Die Japaner hatten keine Kolonien oder Vergangenheit in Afrika? Wie reagieren die Leute dort auf Ihre Arbeit?
T: Meine Kontakte in Afrika, was das Spendensammeln angeht, hat eigentlich weniger mit meinem Mann zu tun, sondern das hängt eigentlich mehr mit meiner Person zusammen. Die Japaner, die ich hier in Deutschland kennengelernt habe, die nach Japan zurückgegangen sind und dort verschiedene Gruppierungen aufbauen. Ich glaube, dass man in Japan vielleicht, also profitiere ich hier von einer Gefühlsregung, dass man vielleicht lieber nach Afrika schaut als nach Asien. Japan hat gehofft, keine Schuldgefühle gegenüber Afrika zu haben. Dadurch ist die Position sehr viel einfacher als für Europäer, die sich mit Afrika beschäftigen und vielleicht ist es so, dass eben damit "man tut etwas Gutes", ohne die eigene Verantwortung in der eigenen Nachbarschaft angehen zu müssen.
M: Sie sprechen ja sehr gut japanisch, so dass dies die Angelegenheit sehr erleichtert. Glauben Sie, wenn jemand die japanische Sprache nicht so gut beherrschen würde, würde die Sache bei den Japanern genauso gut ankommen?
T: Ich glaube das ist überall so. Man muss die Sprache können. In dem Moment, wenn man einen Vortrag in einer Fremdsprache hält, hat man nur ein kleines Publikum, das die Sprache versteht. Und in Japan ist es aber ganz besonders der Fall. Man lernt zwar englisch oder französisch. Aber bei solchen Vorträgen wird es zwar manchmal doch komplexer. Es ist doch schwierig. Und insofern ist es wirklich auch die Sprache, dass ich die Dinge so rüber bringen kann, weil ich die Sprache sprechen kann wie die Japaner. Und damit wirklich meine Gedanken weitergeben kann. Das hat schon Vorteile, um eben dort Leute zu sensibilisieren.
M: Was sind dies für Schulen, die Sie in Benin aufbauen? Sind es Grundschulen, oder Kindergärten. Wieviel Kinder können überhaupt die Schulen besuchen?
T: Es sind im Großen und Ganzen Grundschulen. Ich habe jetzt eine Landwirtschaftsschule in Planung. Aber prinzipiell befasse ich mich mit Grundschulen und wir haben natürlich sehr viele Kinder. Wie Sie wissen, haben wir 80 Kinder in einer Klasse. Wenn dies 6 Jahrgangsstufen sind, heißt dies, in der Schule sind 480 Kinder. Die Lehrer haben ein bischen mehr zu tun, als dies hier in Deutschland der Fall ist.
M: Sie haben mit dem Schulsystem nichts zu tun, Sie sind nur am Aufbau beteiligt? Haben Sie Kontakt mit der Schulbehörde des Landes Benin?
T: Also habe ich nur beim Bauen, bei der Schuleröffnung und dass man nachschaut. Z. B. habe ich immer ein Versprechen von den Dorfbewohnern, dass ungefähr die Hälfte der Schüler Mädchen sein sollen. Das ich dann eben einmal reinschaue, wie der Prozentsatz an Mädchen und Jungen ist. Ich bin wie ein Katalysator. Dann gehe ich wieder ins nächste Projekt. Ich bleibe nicht dort zurück, um irgend etwas zu kontrollieren oder so.
N: Das bedeutet, Sie haben die Schulen in verschiedenen Dörfern aufgebaut. Wieviel Ortschaften sind dies bis jetzt?
T: Bis jetzt in 5 Ortschaften.
M: Können Sie uns die Namen der Ortschaften nennen, oder wo die Schulen stehen?
T: Die erste Schule befindet sich in Lagos, in Makoko-Nigeria, auf Wasser, in Fanbautenstil erbaut für Leute aus dem Benin. Dann später bin ich im Süden von Benin, im Dorf Drabo. Das ist Atlantik. Bei der zweiten Schule in Drabo hatten wir ein bischen Schwierigkeiten beim Bau. Dann habe ich mir ein Dorf ausgewählt, das nicht zu weit weg ist. Das Dorf Ouéréga, um den Leuten von Drabo zu zeigen, was sie noch alles verpasst haben durch ihre Probleme, die sie mir beschert hatten.
M: Welche Probleme?
T: Die Männer haben überhaupt nicht mitarbeiten wollen und haben versucht, den Schulbau zu stoppen. Am Anfang hieß es, wir möchten und es waren die Frauen, die sich um die Schule bemüht haben. Es gab sehr viel Zank, das Dorf wurde praktisch geteilt. Die Männer hatten Angst um ihre Positionen. Man darf das auch in unserer Gesellschaft nicht überbewerten. Wenn man bedenkt, als ich zur Schule ging, hatte ich einen Klassenkamerad, der nicht in eine fortführende Schule gehen durfte, weil sein Vater gesagt hatte, er hatte nicht die Möglichkeit und warum sollte er sich für dumm erklären lassen. Ich glaube, das sind Gedankengänge, die selbst bis heute in Europa noch naheliegend sind. Deshalb möchte ich keinen falschen Geschmack kreieren. Es war dann zwar so, dass ich die Schule funktionsfähig gemacht habe, aber nicht 100 % fertig. Dann hat die Regierung gesagt, gut du hast es bis dahin gemacht, wenn die Dorfgemeinde uns einen Bittbrief schreibt, machen wir die Schule fertig, d. h. die Türen und Fensterläden. Es waren Möbel, Tafel usw. alles da. Es war sonst fertig. Und so viel ich weiß, hat das Dorf diesen Bittbrief nie geschrieben. Und dann habe ich eben in Ouéréga gebaut. Die Schule wurde wirklich fertig gebaut. Das Dorf war kooperativ. Es war eine angenehme Arbeitsweise. Ich hatte immer im Hintergrund gedacht, wenn man richtig mitmacht, hätten sie dies auch so haben können. Ich wollte eigentlich die anderen ein bischen stimulieren, dass sie sich die ganze Geschichte ein bischen überlegen. Bis heute hat sich da nicht viel getan. Dann waren wir mehr im Norden oder Mittelbenin, in Pira. Das ist zwischen Sabalou und Djougou. Das letzte war zwar wieder Atlantik aber mehr in Richtung Togo in Dérakounou.
N: Mit welchem Material wird die Schule gebaut?
T: z. B. die erste Schule war aus Eisenholz erstellt, eben im Wasser. Alle anderen Schulen auf dem Festland sind aus Stahlbeton.
T: Fenster genau wie in Europa?
N: Nein ohne Glasfenster, denn wir haben es ja mit einer Bevölkerung zu tun, die diese Glasfenster nicht ersetzen kann und wenn die Kinder jetzt Fußball spielen oder so, wenn etwas kaputt geht, sondern wir haben Fensterläden. Zwar nicht die Lamellen, wie sonst in afrikanischen Schulen, weil es zu dunkel ist, da hatte ich mich mit der Gesundheitsbehörde abgestimmt, die mir geraten haben, Fensterläden zu machen, die man wirklich aufmachen kann. Dadurch sind unsere Schulen sehr hell, auch ohne Strom. Dann sind die Schulen etwas höher, als die anderen Schulen von den Organisationen, um den Kamineffekt mehr zur Geltung zu bringen. Die anderen hatten zwar auch die Idee, aber scheinbar hat es ein bischen an der Physik gemangelt, wenn nämlich das Gebäude zu niedrig sind, kommt das trotzdem nicht in Gang und die Schulen sind heiß.
M: Und was für Material besitzen Sie in Afrika. Kommt auch Material aus Europa?
T: Nein, ich versuche wirklich nicht Materialien aus Europa zu importieren. Wir versuchen ortsgebundene Materialien zu verwenden, wenn Import, dann aus afrikanischen Ländern. Z. B. unsere Dachdeckplatten werden im Senegal hergestellt.
M: Warum im Senegal?
T: Ich weiß nicht warum, es sind Betondächer. Sie haben dies entwickelt. Und z. B. Benin macht dies nicht. Alle anderen Ländern haben gesagt, sie machen dies nicht. So haben wir uns also für Senegal entschieden.
M: Und wie läuft dies mit Transport von Senegal nach Benin und von dort zu den Dörfern?
T: Dazu habe ich Leute, da gibt es Geschäftsleute in Benin, die diesen Teil übernehmen und ich dann von denen dann direkt kaufe. Ich möchte nichts zurückschicken nach Europa von dem Geld, das hier nach Afrika gehen sollte.
M: Und wie ist es mit eigenem Transport vor Ort? Ihre Beweglichkeit. Wie schaffen Sie das?
T: Ich hatte früher einen kleinen Fort Fiesta, der jetzt vor 3 Jahren leider kaputt gegangen ist und ich habe keine Ersatzteile gefunden. Ich war 3 Jahre ohne eigenes Transportmittel unterwegs. Wenn man Afrika kennt, weiß man, wie schwierig dies ist. Es war auch teuer, weil ich teilweise Autos mieten musste. Unsere Wege sind sehr schlecht. Und ich hatte auch keine Kontrolle, welche Probleme das Auto vorher schon hatte. Wenn das Auto irgendwo hängenbleibt, bin ich die Person, die die Reparatur zahlen soll. Das hat mich ein bischen ins Minus gestürzt. Aber ich habe im letzem Jahr eben einen Mitsubishi bekommen, der mit dem Container verschifft wurde, um zugleich eben Dinge für ein Krankenhaus der letzten Schule mitzuschicken.
M: Welche Kosten entstehen Ihnen bei der Versendung. Müssen Sie die Transportkosten selber übernehmen hier in Deutschland und vor Ort? Oder gibt es Leute oder Organisationen, die die Kosten übernehmen?
T: Den Container selbst bis Cotonou habe ich selbst bezahlt und dies ist zum Teil aus Buchgeld, vom Verkauf meines Buches, zum Teil habe ich von der japanischen Gruppe Geld extra dafür bekommen, das es nicht für den Bau der Schule ausgegeben werden sollte, sondern sonstige Mangel an finanziellen Mitteln, die mir fehlen. Von der Botschaft Benin in Bonn habe ich einen Brief mitbekommen, der die Dinge für den Zoll vor Ort etwas vereinfachen soll, weil dies Spendenangelegenheiten waren. Dies war meine erste Erfahrung mit einem Container. Ich habe noch nie etwas per Container verschickt. Bi zum Jahr 2000 habe ich mein Gepäck über Air France problemlos mitnehmen können. Ich konnte bis zu diesem Zeitpunkt 100 Kilo Freigepäck mitnehmen. Jetzt leider nicht mehr.
M: Sie haben darüber gesprochen, dass Sie auch Gegenstände für das Krankenhaus mitgeschickt haben. War dies eine einmalige Aktion gewesen oder haben Sie auch mit dem Bau von Krankenhäusern zu tun?
T: Dieses Mal war es das erste Mal. Im Dorf Terakounou haben wir einen ganzen Schulkomplex erstellt, mit zwei Gebäuden, sechs Klassenräumen, Büro, Bibliothek, Toiletten. Hinzu kommt, dass es im in der ganzen Region eigentlich keine medizinische Versorgung gibt und die Frauen bis nach Toribosito, das sind etwa 20 km, fahren müssen, für eine Entbindung oder Sonstiges. Das heißt, fahren mit dem Fahrrad oder zu Fuß. So haben wir uns entschlossen, dass für einmal zur Sicherheit für unsere Schüler, die sich einmal verletzen können oder dergleichen, Krankenhaus ist eigentlich zu viel gesagt, eine Krankenstation erbaut haben und dort jetzt das Gesundheitsministerium bitten, dass uns jemand geschickt wird, der diese Krankenstation betreuen wird.
M: Wie ist das mit Medikamente? Gibt es Möglichkeit, Medikamente von Deutschland aus zu schicken? Haben Sie irgendwo Kontakte aufgenommen?
T: Prinzipiell sieht es also nicht sehr gut aus. Unsere Apotheken und die Pharmaindustrie dürfen solche Dinge eigentlich nicht mehr abgeben. Z. B. Medikamente, die nur noch 1 Jahr Laufzeit haben, müssen vernichtet werden. Dadurch tut man sich schwer. Ich habe schon mal Medikamente bekommen, die bereits 4 - 5 Jahre abgelaufen waren von einer Arztpraxis in großen Mengen. Dies ist schon sehr traurig. Man denkt, dies ist eine Spende, sie geben alte Sachen. Solche Dinge kommen vor. Man muss ein bischen Aufklärung betreiben und sagen, Afrika ist keine Müllhalde. Dort unten kann ich die auf keine Fall verwenden. Einmal durch die Temperaturen und 4 - 5 Jahren abgelaufene Dinge sind wirklich zu lange gelagert gewesen. Es sind nur kleine Mengen, die ich benötige, große Mengen brauche ich sowieso nicht, weil wir keinen Strom und keine Kühlungsmöglichkeiten haben.
M: Sie haben ein Buch geschrieben, hier in Deutschland verlegt. Was haben Sie geschrieben?
T: Die Idee des Buches war, dass ich festgestellt habe, dass man Berührungsängste mit Afrika hat, im Besonderen, wenn wir das Wort Afrika hören, dann gehen wir in Verteidigungsstellung, denn wir haben das Gefühl, jetzt wird unser Herz wieder ausgedrückt mit Mitleid und von Schuldgefühlen überladen und das Buch ist eigentlich relativ dünn gehalten mit Bildern, mit kurzen Geschichten über das Land, Kultur und kleinen Anekdoten, in kurzen Sätzen und mit großer Schrift, so dass auch ältere Leute mit einer normalen Brille lesen können. Klar, es gibt zwar einige Probleme, es heißt nicht, dass Afrika bemitleidet werden sollte, sondern das man sich eben solidarisch fühlt.
M: Hat die deutsche Presse schon Stellung zu dem Buch abgegeben und Kommentare dazu gegeben?
T: Nein, dies war kurz vor meiner Abreise nach Benin herausgekommen. Ich hatte leider keine Zeit, dies publik zu machen, weil ich kurze Zeit später abgereist werden. Ich habe auch noch den richtigen Draht gefunden, an wen ich mich wenden soll. Es gibt noch keine Werbung für das Buch. Es ist auch nicht im Buchhandel zu erhalten. Einmal weil ich es eben im eigenen Verlag herausgegeben hatte und die Konditionen im Buchhandel für mich relativ ungünstig sind. Ich musste einmal die Druckkosten wieder hereinbringen.
M: Das bedeutet, Sie haben das Buch selbst finanziert?
T: Ja. Dazu muss ich sagen, dass ich relativ günstig das Buch erstellen konnte. Ein ehemaliger Klassenkamerad von mir hat es gedruckt und ich musste nur für das Material aufkommen.
M: Welchen Titel hat das Buch?
T: Das Buch heißt "Benin mit Familienanschluss." Damit wollte ich eben sagen, es ist kein sehr ernstes Buch. Aber es soll nicht nur Dinge über Benin vermitteln, sondern auch über andere westafrikanische Länder. Aber eben in einer leichten Form, wie das bei Familienanschluss ist. Immer wieder Dinge, die mich zum Nachdenken gebracht haben. Vielleicht Kulturunterschiede zu erklären, die Leute darauf aufmerksam zu machen. Es ist, glaube ich, relativ angenehm zu lesen als leichte Lektüre.
M: Wie ist das Leben in Afrika für eine Europäerin? Es ist eine andere Kultur?
T: Das sagt, glaube ich auch mein Buch. Ich fühle mich dort zuhause. Ich habe dort Familienanschluss und ich fühle mich eingebunden. Wir haben ein sehr einfaches Leben. Aber es zeigt mir auch, wie wenig wir eigentlich brauchen. Immer wieder denke ich darüber nach, wie viel Zeit wir füreinander haben. Wenn jemand Probleme hat, krank ist, von einer Schlange gebissen wurde, jeder versucht einander zu helfen, das Problem zu lösen. Wir haben keine Maschinen, die uns unsere Arbeit erleichtern. Trotzdem haben wir Zeit. In Europa haben wir ebenverschiedene Maschinen, Wir denken, dass wir dadurch mehr Zeit gewinnen. Aber das ist nicht so wichtig.
M: Sie haben einen Artikel über Entwicklungshilfe geschrieben. Dies ist auf Ihrer Webside zu lesen. Was ist dies für ein Artikel?
T: Der Artikel ist entstanden für die Zeitschrift "Wechselwirkung und Zukünfte" im Jahr 2002. Der Inhalt geht darüber, dass ich über die Geschichte Afrikas und Entwicklungshilfe über Afrika berichte. Was geschieht wirklich. Ich stelle auch die Verschuldung Afrikas ein bischen in den Raum. Das ich sage, o.K., hat nicht Afrika über hunderte von Jahren Entwicklung für Europa geleistet? Wie sieht es mit der Verschuldung Europas Afrika gegenüber aus? Davon wird heute nicht gesprochen. Ich möchte nicht den Leuten, die hier arbeiten sagen, ihr seid faul, sondern jeder arbeitet und jeder bemüht sich auch sehr und trotzdem müssen wir eigentlich auch erkennen, dass unser Wohlstand auf der Armut anderer Länder aufgebaut ist. Und das es eben nicht nur eine Schuld der Vergangenheit ist, sondern das diese Verschuldung ständig zunimmt. Das wir auch heute noch diese Länder ausbeuten. Auf etwas eine kühlere Art, als es früher stattgefunden hat. Aber es ist lange nicht zu Ende. Ich hoffe, dass das Bewusstsein uns helfen wird, auch gegenüber den Völkern aus diesen Ländern uns etwas fairer zu verhalten. Wichtig ist mir eben jetzt gerade, was mit der Geschichte zu tun hat, dass ich eben erzähle von den Astronomiekenntnissen der Dogon oder von der ersten Universität in Timbuktu, die vor der ersten deutschen Universität entstanden ist. Wir Europäer bilden uns immer ein, dass wir die Weisheit und die Kultur nach Afrika getragen haben. Und das es dem wirklich nicht so ist. Es gibt viele Beweise, was es alles schon gab, das auch das Afrikageld z. B. im 14. Jahrhundert ganz anders war als heute. " Die Menscheit kommt aus Afrika". Es gab viele bedeutende Königreiche in Afrika, bevor die Europäer dort einreisten. Ich glaube, das eben das Afrikabild, das wir heute haben, wirklich eine Produktion der Neuzeit ist. Europa war ja relativ arm. Brauchte Bodenschätze für die industrielle Revolution. Woher bekommt man dies, wenn man es nicht bezahlen kann? Wenn man eben einen Kontinent nimmt, wenn man weiß dass er reich ist. Wenn man z. B. König Moussa nimmt. Alleine wieviel Goldstaub er alleine bei seiner Reise in Mekka verteilt hat. Man brauchte in Kairo danach 12 Jahre bis sich der Goldpreis wieder erholt hat. Man wusste um die Reichtümer und Kulturen dieser Länder. Wie macht man das aber, dass man trotzdem alles nehmen kann ohne zu bezahlen. Man musste also den dortigen Mensch zu einem Untermensch machen, zu einem Wilden und dann ist es auch nicht mehr so schlimm, jemanden zu ermorden, ihnen Sachen wegzunehmen und so weiter. Also unser Afrikabild, das wir heute noch haben, entstand in einer Zeit, die unsere Gegenwart ist und nicht die Vergangenheit. Wie viele Leute sind sich dessen bewusst, dass z. B. 1830 um diese Zeit herum einer unserer deutschen Philosophen gesagt hat, dass Afrika keine eigene Geschichte hat und auch nicht zur Weltgeschichte beigetragen hatte. Er hat gesagt, dass der afrikanische Mensch noch auf einem vormenschlichen Stand ist. Das er kein eigenes Bewusstsein hat, keine eigene Erkenntnis über sich selbst, keine Religion und damit die Versklavung auch gar nicht so eine tragische Sache ist, sondern den afrikanischen Menschen eigentlich erst so in die Reihe der Menschen eingliedert. Und das sind schon ganz massive Aussagen, über die man heute sprechen müsste. Die korrigiert gehören.
M: Haben Sie Kontakt zu die Entwicklungsorganisationen in Deutschland oder wo anders in der Welt?
T: Ich habe immer wieder Kontakte, aber im Ganzen bewege ich mich doch sehr alleine, vielleicht weil ich etwas aggressiver bin in meinen Aussagen, auch rein vom Arbeiten her, ich baue relativ günstiger als andere, Ich habe früher, als ich noch Existenzängste hatte, versucht, mich einzubringen bei anderen und es hat nicht geklappt. Ich habe auch wenig Anleitung bekommen, wie ich die Sache aufziehen soll.
M: Wie sind Ihre Kontakte z. B. zum BMZ (Deutsches Bundesministerium für Zusammenarbeit)?
T: Beim BMZ war ich ca. 1995 das erste Mal. Ich hatte mir dies alles sehr schwer vorgestellt. Ich hatte nicht einmal Termine. Jemand hatte sich sofort für mich 2 Stunden Zeit genommen. Die Leute haben sich für mich eingesetzt. Sie haben mich an eine andere Organisation verwiesen, da das BMZ keine Personen einzeln unterstützen darf. Bis heute gebe ich immer wieder Nachricht an Bengo. Die Vermittlung hat nicht geklappt. Evtl. 2005 könnte ich erstmals Gelder von BMZ bekommen.
M: Was für Botschaft können Sie an Leute geben, die sich für Entwicklungshilfe interessieren?
T: Ganz allgemein möchte ich allen mitteilen, dass sie sich wirklich einmal informieren sollen über die tatsächlichen Gegebenheiten, eben über die Geschichte vorher. Es gibt viele Fehlvorstellungen über die Entwicklungshilfe selber. Z. B. wenn man denkt, man hat Abitur und kann in einem der Länder gehen und dort unterrichten. Dabei wird übersehen, dass alle Länder heute ein Schulsystem haben. Es gibt ausgebildete Lehrer. Genauso wenig, wie eine amerikanische Schülerin mit ihrem Abitur nach Deutschland kommen kann, um zu unterrichten, geht dies umgekehrt genau so wenig. Einmal mangelt es meistens an der Sprache. Was wissen die Leute von hier schon über Geschichte? Auch in Afrika wird Geschichte, Sozialkunde unterrichtet. Man kann dort wirklich nichts weitergeben. Das Bewusstsein, ich will helfen, aber ich habe keine Geld, aber ich möchte etwas tun, ist entscheidend. Ich rate ihnen erst einmal hier zu arbeiten, Geld zu verdienen, damit sie die Flüge bezahlen können, Impfungen, damit sie für sich selber aufkommen können, das ist Voraussetzung. Ihr müsst euch darüber bewusst sein, ihr seid nichts weiteres als Handlanger. Auch Leute, die hier in Berufen wie Maurer, Zimmermann und so weiter tätig sind, müssen wissen, dass sie in Afrika unter einem afrikanischen Chef arbeiten werden. Dann lässt bei ihnen die Bereitschaft sehr schnell nach, wenn sie nicht der eigene Chef sein können. Für Leute, die eine Organisation gründen möchten, gebe ich immer den Rat, Finanzberichte zu erstellen. Totale Transparenz ist ein Grundstein für Erfolg. Denn nur, wenn der deutsche Bürger sieht, wohin sein Geld geht, wie es verwertet wird, ist er auch spendenfreudig.
M: Was kann man dazu beitragen, Afrika hier in Deutschland besser zu präsentieren?
T: Sie machen ja schon einige Dinge, wie z. B. Afrikatage oder Informations- und Verkaufsausstellungen mit Modenschauen, live Musik Gastronomie oder dergleichen. Sie haben mehrere Jahren die Zeitschrift Béto Magazin herausgegeben. Sie haben dadurch bis jetzt einiges getan um die Leute über kulturelle und politische Entwicklung Afrikas zu informieren in Deutschland. Afrika wird leider immer noch mit Armut und Hunger gleichgestellt, es gibt aber ja doch Mode, Kunst, literatur und vieles mehr. Afrika ist so viel reicher als nur Hunger und Armut. Ganz wichtig ist die afrikanische Präsenz hier mit allen ihren Schönheiten und Schätzen. Zusätzlich kommen eben Vorträge in Schulen. Ich glaube, dass da viele Schulen recht offen sind. Wichtig ist vielleicht bei diesen Vorträgen, dass ich nicht über die Projekte spreche. Es geht mir um das Verständnis und die Sache an sich. Manche Schulen haben dann woanders schon Verpflichtungen und trauen sich nicht, jemand reinzunehmen, der ein Projekt schon woanders unterstützt. Wenn man sagt, es geht mir nicht um das Projekt oder Spenden, es geht mir ganz alleine um das Verständnis für Afrika. Dann hat man die Möglichkeit, sich mit jungen Leuten auseinanderzusetzen. Vielleicht gibt es noch mehr, wie z. B. das Fernsehen oder sonstiges, wo man Gruppen bilden könnte oder all diese Sachen, die helfen, das Verständnis für Afrika aufzubessern.
M: Vielen Dank für Ihr Interview.
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